Das „Oberhessische Weihnachtskrippen-Museum“

Krippen haben in der Adventszeit ihre Hochkonjunktur, und das ist auch die Zeit, in der Erica Kernstock ihr privates Weihnachtskrippen-Museum im Niddaer Stadtteil Ulfa eröffnet.

Seit 2004 kann man dort Krippenfiguren aus aller Welt sehen.

In diesem Jahr 2019 vom 01.12. bis zum 30.12. Dezember, dienstags bis sonntags, jeweils von 14 bis 18 Uhr, (außer: Hlg. Abend und Sylvester) öffnen sich immer die Türen in eine ganz besondere Welt.

An Weihnachten feiern Christen die Menschwerdung Gottes. Die Geburt Jesu in einem Stall zu Bethlehem wird im Lukasevangelium beschrieben. Weihnachtskrippen machen diese biblische Geschichte bildlich nachvollziehbar.

„Krippen sind für mich schon immer faszinierend. Als junge Frau habe ich in einem Hamburger Haushalt eine wunderschöne Krippe gesehen und mir gedacht, wenn ich einmal genügend Geld habe, dann kaufe ich mir auch so etwas.“ 1981 war es soweit. Die Ur-Krippe, die erste in der Sammlung von Erica Kernstock, stammt aus der Werkstatt ANRI in Südtirol und ist der Entwurf des Künstlers Bernardi und aus Lindenholz geschnitzt.

„Der Preis war für die damalige Zeit schon ziemlich beachtlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Figuren gar nicht handgeschnitzt waren, sondern mit maschineller Unterstützung. Für den Preis einer einzigen Figur habe ich dann an anderer Stelle eine ganze handgeschnitzte afrikanische Weihnachtskrippe erstehen können, das war eigentlich der Grundstock für die Sammlung, die immer größer wurde und mittlerweile mehr als 200 Krippen aus vier Kontinenten umfasst“, schildert Erica Kernstock.

Jerusalem Krippe erzählt die wichtigsten Teile der christlichen Geschichte

Geradezu spektakulär in ihrer Vielfalt ist die Jerusalem-Krippe, die eine ganz besondere Geschichte hat. In Anlehnung an eine alte Kirchen-Weihnachtskrippe aus Österreich war sie in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als Laubsägebausatz in Deutschland vertrieben. „Der Vater eines Nachbarn hat die Gebäude als Laubsägearbeit in den 20er Jahren ausgeführt und die Familie hat sie viele Jahre an Weihnachten aufgestellt. Irgendwann gab es dafür keine Verwendung mehr. Wir haben sie gerne übernommen und dann in eine ganze Landschaft eingebaut mit Treppen und Felsen, so dass daraus die wichtigsten Teile der christlichen Geschichte erzählt werden können: von der Verkündung des Engels an die Hirten über die Geburt Jesu, den Einzug in den Tempel bis hin zur Kreuzigungsszene auf Golgatha und die Auferstehung“.

Etwas ganz Besonderes ist eine Krippe mit Figuren aus Spanien, deren Kleider nicht aufgemalt, sondern aus echtem Stoff sind und mit ihrem Faltenwurf verblüffend echt wirken. Hier liegt das Jesuskind unter einem antiken Torbogen. Die Darstellung wird ergänzt durch die Andeutung der Situation, in der Herodes zum Kindsmord aufruft.

Ihr Weihnachtskrippen-Museum hat Erica Kernstock zusammen mit ihrem Mann Friedhelm systematisch aufgebaut. Nach den großen Krippen kommen die verschiedenen Erdteile.

Afrika ist präsent mit einer Vielzahl von Krippen ganz unterschiedlicher Kunstfertigkeit und Materialien. Aus Ruanda kommt eine Krippe aus Bananenblättern. In Burkina-Faso wurde eine Krippe aus Autoteilen gebaut. Aus Mali kommt eine Figurengruppe, die aus alten Dosen mit Insektenvernichtern hergestellt wurde. Dornholz aus Benin, recycelte Brillengestelle aus Äthiopien und Specksteine aus Kenia. Es ist immer wieder faszinierend, aus welchen Materialien man solche Weihnachtskrippen herstellen kann.

Aus dem frührevolutionären Frankreich des späten 18. Jahr-hunderts kommt die Geschichte, dass Weihnachtskrippen verboten waren und man sie auf dem Land aus Brotteig geformt hat. Wenn ein Revolutionswächter kam, wurden sie einfach verspeist. Heute kommen die französischen Krippen (Santons d’ Art) in der Sammlung von Erica Kernstock aus der Provence. Das sind Krippen mit bunten Figuren, die viele Berufe darstellen, die alle zur Krippe drängen.

Dir kleinste Krippe der Sammlung befindet sich in einem halben Melonenkern. Auch eine Krippe im Kirschkern gibt es.

Interessant sind auch Krippen aus Nord- und Südamerika. Aus den USA kommt eine Krippengruppe aus Stoff, aus Alaska die Heilige Familie als Inuit, dick eingepackt mit dem Jesuskind auf dem Schlitten, umrahmt von Rentier, Robbe, Eisbär und Husky.

Und selbstverständlich sind die Figuren aus dem Retablo aus Peru Indios.

Für das Weihnachtskrippen-Museum in Ulfa sollte man sich mindestens eineinhalb bis zwei Stunden einplanen. Jede Krippe erzählt ihre eigene Geschichte, die erst richtig spannend ist, wenn sie von Erica Kernstock begleitet wird.

Eine Matrjoschka ist eine aus Holz gefertigte, bunt bemalte und ineinander schachtelbare russische Puppe. Erica Kernstock hat eine aus zehn Teilen, allesamt mit Krippenmotiven handbemalt.

Krippen sammeln ist ein Hobby, aber die Ausstellung hat auch einen tieferen Sinn. Das Wissen um die christliche Botschaft geht immer mehr verloren. Hier im Weihnachtskrippen-Museum kann man einiges von diesem Wissen wieder auffrischen.

Das Oberhessische Weihnachtskrippen-Museum ist vom 1.Dezember-31. Dezember 2019, dienstags bis sonntags, von 14 bis 18 Uhr, (außer Hlg. Abend + Sylvester) geöffnet.

Der Eintritt ist frei. Glühwein und Wintertee gibt es inklusive.